Der Pokal steht auf einem runden leicht ansteigenden Fuß mit umgeschlagenem Rand. Der Schaft besteht aus einem massivem Baluster mit eingestochener Blase. Darauf setzt unvermittelt die Kuppa mit massivem kugeligen Ansatz an, die sich darüber zunächst zylindrisch entwickelt und dann zu einer kugeligen Form öffnet. Hier sind auf der Wandung vier runde Bildfelder angebracht. Eines wird aus zwei unten gekreuzten Lorbeerzweigen gebildet. Auf der mattierten Binnenfläche ist das gekrönte Wappen der Familie von Seckendorff eingeschnitten und poliert (zu einer Acht gelegter Lindenzweig mit acht gestielten Blättern) mit Helm, Helmzier (Turnierhut mit sieben Hahnenfedern) und Helmdecke. Unten wird das Wappen bereichert durch das Malteserordensabzeichen. Die anderen drei Medaillons werden jeweils von einem ovalen mit Weinlaub umwachsenen Rahmen gebildet und zeigen Jagddarstellungen (zwei Mal Hirschjagd, eine Sauhatz).
Der Pokal wurde 2002 im Kunsthandel angeboten und dem Nürnberger Glasschneider Georg Friedrich Killinger (1694–1726 in Nürnberg tätig) zugeschrieben, vgl. Glas aus 5 Jahrhunderten, Herbstausstellung 2002. Aukt. Kat. Glasgalerie Michael Kovacek, Wien, 2002, Nr. 4. Tatsächlich haben sich von diesem Glasschneider Trinkgefäße erhalten auf denen Wappen in rundlichem Medaillon poliert auf mattierten Grund gesetzt wurden, vgl. Sabine Tiedtke: Nürnberger Glasschnitt im Detail. Neue Zuschreibungskriterien für den Nürnberger Glasschnitt im 17. und beginnenden 18. Jahrhundert und ihre Anwendbarkeit erörtert am Bestand des Germanischen Nationalmuseums, Diss. Erlangen 2020, Online-Publikation:
opus4.kobv.de/opus4-fau/frontdoor/index/index/docId/13880, Nr. GFK 6. Die Darstellung des Wappens der Familie von Seckendorff ist auf einem von Killinger signierten Glas zu finden, was zumindest zeigt, dass die Familie Auftraggeber Killingers war, vgl. Tiedtke 2020, Nr. GFK 13. Insgesamt erscheint die Gestaltung in Form der Helmdecke durchaus vergleichbar, wenngleich sie auf dem Pokal der Stiftung Rasmus einfacher ausgeführt ist. Ein besonders wichtiges Zuschreibungskriterium an Killinger ist vor allem seine spezifische Art und Weise Figuren durch das Aneinandersetzen kleiner Einschnitte zu gestalten, was auf dem vorliegenden Pokal nicht in der für Killinger typischen Form ausgeführt wurde, weswegen eine Zuschreibung an ihn abgelehnt wird. Grundsätzlich finden sich aber im Bereich des Nürnberger Glasschnitts ähnlich gestaltete Arbeiten, so dass eine Entstehung des Glasschnittdekors dort wahrscheinlich ist.
Die Pokalform ist selten. Der Fuß mit umgeschlagenem Rand und massivem Baluster mit eigestochener Blase erinnert an Gläser, die in englischen Hütten hergestellt wurden, vgl. Dwight P. Lanmon: The Golden Age of English Glass. 1650 – 1775, Woodbridge 2011, Nr. 19 (1690—1720), Nr. 22 (1700—1710). Ein Glas mit vergleichbarem Formtyp wurde der Friedrichglashütte, Glatz zugeordnet, vgl. Stefania Żelasko: Barock und Rokoko im Hirschberger Tal. Stein- und Glasschnitt 1650–1780. Hrsg. v. Georg Höltl und Peter Höltl, Glasmuseum Passau. Passau 2014, Nr. 278 (Friedrichsglashütte, Grafschaft Glatz, um 1770).
(Sabine Tiedtke)