Das Bild zeigt Jannina Duranti, die Greiner 1906 geheiratet hatte, auf der hochgelegenen Terrasse seines Ateliers, das er von Max Klinger übernommen hatte. Richard Voß beschreibt in seinen Erinnerungen (Aus einem phantastischen Leben) die Aussicht von der Greinerschen Werkstatt so: "Der Blick von der Terrasse seines Ateliers über Kolosseum und Caelius hinüber zum Forum, Paladin und Kapitol war überwältigend. Wenn mich Otto Greiner bei sich einließ, und ich aus seinem Atelier auf die Terrasse hinaustrat, mußte ich oft denken: Wenn ich einmal von Rom fortmüsste, so sterbe ich an Heimweh." (Julius Vogel: Otto Greiner, Bielefeld und Leipzig 1925, S. 56).
Max Klinger hat den Blick von seinem Atelier 1888 gemalt (Galerie Neue Meister, Dresden). In einem Brief an Hermann Prell schreibt Klinger im Juli 1888: "Du kennst Rom, und wenn ich Dir sage: ich wohne direkt nebens Colosseum dicht hinter der Kaisertribüne (antike Ruine) ebenda 7 Treppen hoch in der Mitte einer 44 Schritte langen und und 35 breiten Terrasse in einem 12 1/2 Meter langen 5 1/2 Meter hohen Atelier mit Ost, West, Süd, Nordlicht - Oberlicht fehlt leider, ist aber auf der Terrasse als Pleinair vertreten." Max Klinger: Malerei und Zeichnung - Tagbuchaufzeichnungen und Briefe, Leipzig 1987, S. 196.
1888 besuchte ihn Karl Stauffer-Bern, der in einem Brief schreibt: "Klinger hat sein Studio unten beim Kolosseum im achten oder neunten Stock oben, abgeschlossen von aller Welt, vis à vis dem Kolosseum. Er wird es im Sommer da oben brav warm haben und im Winter brav frieren." (Zürcher: Familienbriefe und Gedichte von Karl Stauffer-Bern, Leipzig/München 1914, S. 272).