Kassandra, Tochter des trojanischen Königs Priamos verfügte über die ihr von Apollon verliehene Gabe der Weissagung. Da sie den Gott jedoch verschmähte, verdammte er sie dazu, mit ihren Prophezeiungen niemals Gehör zu finden, und strafte sie obendrein mit Blindheit. So warnte Kassandra ihr Volk vergeblich vor dem Untergang Trojas. „Kassandras visionäre Begabung und gleichzeitig die schmerzliche Einsicht in die Vergeblichkeit der Rede und das Bewusstsein vom tragischen Ausgang der Geschichte, von den Zeitgenossen unter Rekurs auf Schopenhauer und Nietzsche als Haltung eines „heroischen Pessimismus“ verstanden, finden in Klingers Skulptur einen höchst konzentrierten gestalterischen Ausdruck.“ (Florian Britsch).
Ihr nicht mehr ganz junges, durch schmerzliche Erlebnisse gereiftes Gesicht strahlt Ruhe aus. Gleichzeitig aber wird die angespannte Konzentration der blinden Seherin auf die innere Vision deutlich, die zu den Warnungen führt, denen niemand Gehör schenkt.
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