In vielen Gegenden Griechenlands hatte Dionysos einen mysteriösen Gottesdienst unter den jungen Frauen und Mädchen hervorgebracht. Von den Höhen abgelegener Berge erklang des Nachts, zu bestimmten Zeiten im Festkalender, wilder Lärm, das regellose Klappern und Pfeifen von Instrumenten, gepaart mit fanatischen Gesängen in gehetzten Rhythmen.
Als Mänaden sind diese in ekstatischer Trance Verfallenen sowohl aus der antiken Literatur als auch von Darstellungen bekannt. Ein Relief aus den Uffizien in Florenz gibt ein solches Dionysosfest mit verblüffender Nähe zu den Beschreibungen antiker Autoren wieder. Links ist eine Mänade im Begriff, eine Ziege mit bloßen Händen zu zerreißen. Der Ausdruck ihrer Raserei in der Körperhaltung ist ein oft gebrauchter Typus (Mänade Chimairophonos). Während eine zweite, auf einem Baumstumpf sitzende Mänade, die ihre Körperbewegungen nicht mehr unter Kontrolle habend, die Erscheinung ihres Gottes, zu dessen Füßen sich ein Panther anschmiegt, durch ihre Schwärmerei nicht mehr mitzubekommen scheint. Wie als Verbildlichung des Betrachtenden schleicht sich rechts ein Mann in die Szene. Er fängt eine nach Hinten fallende Mänade, die ihr Wahn an die Grenze körperlicher Erschöpfung gebracht hat, auf.
Wohl findet dieses Fest in Delphi statt, wo Dionysos, von den Titanen in Stücke gerissen, von Apollon im Auftrag des Göttervaters bestattet worden sein soll. Die delphische Verortung zeigt dabei der Dreifußkessel Apolls im Hintergrund an.
In ihrer Raserei kamen die Mänaden ihrem Gott Dionysos gleich, der von seiner Feindin Hera mit Wahnsinn gestraft wurde. Wohl konnte aber nicht jede junge griechische Frau sich solchen gegen die guten Sitten verstoßenden, archaischen Orgien anschließen. Die antiken Autoren erwähnen limitierte Collegien (bakcheia), die als Kultgemeinschaften allein zu diesem besonderen Gottesdienst berufen waren.